Für seine exzellenten Leistungen und seine außergewöhnliche Kompetenz, wissenschaftliche Erkenntnisse der Öffentlichkeit und Politik zu kommunizieren

Robert Schlögl ist nicht nur ein über die Grenzen seiner Fachdisziplin hinaus anerkannter, herausragender Wissenschaftler mit einem weltweiten Renommee, sondern auch ein exzellenter Kommunikator wissenschaftlicher Themen, ein echter „Botschafter der Wissenschaft“.

Schlögl versteht es wie kaum ein zweiter, komplexe naturwissenschaftlich-technische Zusammenhänge verständlich zu erklären und ihre oftmals unterschätzte Bedeutung und Tragweite zu vermitteln. Sei es vor interessierten Bürgerinnen und Bürgern bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“, als Festredner bei der Jahresveranstaltung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften vor sechshundert geladenen Gästen, oder im persönlichen Gespräch – immer ist Robert Schlögl mit bemerkenswerter Konzentration und großem Engagement bemüht, nicht nur Zusammenhänge zu erklären und wichtige Einsichten mitzuteilen, sondern den “Funken“ der Begeisterung überspringen zu lassen. Dies gelingt ihm fast ausnahmslos. Zum einen, weil hier ein klarer Kopf spricht, zum anderen, weil seine Kommunikation sehr authentisch ist.

Mit der Akademieninitiative „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) hat Robert Schlögl ein Projekt konzipiert, auf den Weg gebracht und vier Jahre lang geführt, das ein Leitprojekt der deutschen Wissenschaft zur Begleitung der Energiewende wurde. Von Anfang an waren Dialogformate integraler Bestandteil des Projektkonzepts, zunächst in Form des „Forschungsforum Energiewende“, dann in Form von Stakeholder-Dialogen und interdisziplinären Fachgesprächen. Immer sind diese Dialogformate als echte Dialoge, nicht etwa als belehrende Monologe, angelegt gewesen. Den Gesprächspartner mit seiner womöglich abweichenden Meinung zu respektieren verknüpft sich bei Schlögl immer mit dem Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnis sei letztlich nicht zu verweigern. Wenn dies gelegentlich als eine Zumutung empfunden wird, so gelingt Schlögl mit einer Prise Humor immer ein Stück Überzeugung in der Sache.
Robert Schlögl geht dabei sehr oft deutlich über seine Fachdisziplin in der Chemie, die „Heterogene Katalyse“, hinaus und stellt die Dinge in einen größeren Zusammenhang. So ordnen sich dann einzelwissenschaftliche Erkenntnisse für Außenstehende in einen größeren Rahmen ein und werden dadurch verständlich. Beispielhaft genannt sei Schlögls leitbildhafte Vorstellung vom Schließen des Kohlenstoffkreislaufs, eine Vision vom nachhaltigen Wirtschaften unter Klimaschutzgesichtspunkten bei vollem Erhalt der Wirtschaftskraft des Landes.

Um hier einen Satz aufzugreifen, mit dem Nobelpreisträger Gerhard Ludwig Ertl auf einem Fachsymposium anlässlich des sechzigsten Geburtstags von Robert Schlögl denselben sehr freundschaftlich charakterisierte: „Er ist eine Kerze, die an zwei Enden brennt.“ Es sind nie nur die fachlichen Inhalte, seine naturwissenschaftlichen Forschungen auf internationalem Niveau, die Schlögl zu immer neuen, höchsten Leistungen antreiben. Es ist immer auch die Sorge um eine nachhaltige Zukunft unserer Gesellschaft; die Sorge um eine Welt, die uns nicht zur Ausbeutung überlassen, sondern zur guten Gestaltung aufgegeben worden ist. Robert Schlögl „brennt“ für eine bessere Welt, in der stetig wachsende Erkenntnis über naturwissenschaftlich-technische Zusammenhänge vermittelt wird und einher geht mit einem wachsenden gesellschaftlichen Bewusstsein derselben Zusammenhänge – zum Zweck der politischen Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft. Dafür „brennt“ Robert Schlögl, und zwar „an beiden Enden“. Und dafür dürfen wir ihm dankbar sein. Robert Schlögl erweist sich damit als ein herausragender Bewahrer und Förderer der deutschen und europäischen Kultur und Wertegemeinschaft.

Er ist ein Wissenschaftskommunikator allererster Güte und ein „role model“ für diese aktuell geforderte „Zusatz-Funktion“ des forschenden Wissenschaftlers – nämlich nicht nur wissenschaftliche Publikationen vorzulegen, sondern Beiträge zur Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen zu leisten und diese Beiträge der allgemeinen Öffentlichkeit zu vermitteln. Gerade in Zeiten von Fake News brauchen wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Robert Schlögl. Dass diese Kommunikationsaufgabe aktuell auch vehement von unserer Bundesforschungsministerin verlangt wird, unterstreicht diese wichtige Aufgabe der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch für den politischen Raum.

Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Hüttl
DEUTSCHES GEOFORSCHUNGSZENTRUM,
Potsdam